Ein Abend, der fast nicht stattgefunden hätte: Das Motto Feige stand bis zuletzt auf der Kippe, weil die Früchte partout nicht aufzutreiben waren. Am Ende wurde es nicht nur ein Erfolg, sondern auch ein kleines (gar nicht feiges) Kapitel in unserer Reihe — der erste vegetarische Kochabend.
Die Jagd nach den Feigen und die Rettung in letzter Minute
Die Vorfreude war groß, die Einkaufsliste sorgfältig und vollumfänglich geschrieben. Dann die Ernüchterung: die üblichen Quellen meldeten Fehlbestand und fehlende Liefermöglichkeiten. Für einen Moment hing alles in der Luft — Menü, Stimmung, Planung. Die Küche stand bereit, die Gäste waren eingeladen, und die Feige war plötzlich der unsichere Faktor (gedanklich wurde das Motto schon auf „Birne“ umgebaut).
Glücklicherweise klappte es doch noch. Eine einzige Obststeige wurde aufgetrieben mit der ungefähr benötigten Feigen-Anzahl und plötzlich lagen die Früchte da: reif, duftig und genau so, wie man sie sich für ein Feigenmenü wünscht. Die Erleichterung war spürbar; die Stimmung kippte von angespannt zu ausgelassen. Der Abend konnte starten.
Das Menü und kurze Geschmackseindrücke
Gruß aus der Küche Ziegenkäse Feigen Tatar mit Rosmarin Crumble & Balsamico Cremiger Ziegenkäse trifft auf süße Feige; der Rosmarin‑Crumble sorgt für Textur, der Balsamico für die nötige Säure. Ein Auftakt, der sofort neugierig macht.
Vorspeise Feigen Portwein Schaumsuppe mit Thymian & Parmesan Chip Warme, samtige Suppe mit einer dezenten Portwein‑Tiefe. Der Parmesan‑Chip bringt Salz und Crunch, Thymian rundet das Aroma ab.
Zwischengang Feigen‑Carpaccio mit Burrata, Pistazien‑Dukkah & Chili‑Limetten‑Öl Der überraschende Star des Abends: hauchdünne Feigenscheiben, die mit der cremigen Burrata verschmelzen. Dukkah liefert Nussigkeit und Würze, das Chili‑Limetten‑Öl einen lebhaften Kontrast.
Hauptspeise Gefüllte Ravioli mit Feigen Senf Honig & brauner Salbeibutter Hausgemachte Pasta, eine Füllung, die süße und würzige Noten vereint, und die nussig‑buttrige Salbei‑Butter — ein sehr harmonischer, tröstlicher Gang.
Nachspeise Warme Feigen im Blätterteig mit Mascarpone Vanille Creme & Lavendelhonig Knusprig, warm und aromatisch: Lavendelhonig und Vanille‑Mascarpone geben dem Abschluss eine feine, blumige Süße.
Wein, Cocktails und die kleine Eskapade
Die geplante Weinfolge war sorgfältig abgestimmt, wurde aber nur bedingt eingehalten. Einer der Gäste entschied sich spontan, den Alkoholgehalt deutlich anzuheben und schlug stattdessen Cocktails vor. Die Weinfolge wurde daher zeitnah verworfen und durch eine Reihe kreativer Drinks ersetzt.
Der Cocktail‑Enthusiast mixte mit Elan, die Drinks waren überraschend gut — bis zu dem Moment, als er sich für einen Power‑Nap auf der Couch entschied. Seine Abwesenheit wurde mit kritisch beäugt; die Stimmung blieb heiter und entspannt. Die Kombination aus Wein, Cocktails und guter Gesellschaft machte den Abend lebendig und unvorhersehbar.
Bedeutung des Abends und Atmosphäre
Dieser Kochabend war in mehrfacher Hinsicht besonders:
- Erster vegetarischer Abend unserer Reihe — und er funktionierte ohne Abstriche an Geschmack oder Raffinesse.
- Die Feige zeigte ihre Vielseitigkeit: von herzhaft bis süß, von roh bis gebacken.
- Trotz der anfänglichen Krise blieb der Gastgeber gelassen; das rettende Gefühl, als die Feigen doch noch ankamen, war fast greifbar.
- Humor und Improvisation waren wieder einmal die besten Zutaten: ein Cocktail‑Experiment, ein Nickerchen auf der Couch und viele Lacher.
Fazit
Der 74. Kochabend bleibt als warmherziger, überraschender und sehr genussvoller Abend in Erinnerung. Die Feige hat uns gezeigt, wie wandelbar sie ist — und dass ein Menü, das auf einer einzigen Zutat basiert, trotzdem facettenreich und spannend sein kann. Am Ende war alles wie immer: lecker, lustig und kurzweilig — mit einer neuen Note: vegetarisch und voller kleiner, unvergesslicher Momente.
