Der 68. Kochabend war ein Abend voller guter Vorsätze, noch besserer Zutaten und einem Dessert, das sich weigerte, erwachsen zu werden. Wir starteten ambitioniert, kochten mit Herz und einer Prise Übermut — und lernten auf die harte Tour, dass Zeitmanagement kein Gewürz ist, das man einfach nachstreuen kann.
Die Eröffnungsszene: Feldsalat mit Orangen‑Chilli‑Dressing und Mozzarella
Der Feldsalat kam frisch wie ein Sonntagsgedanke, das Dressing war eine kleine Geschmacksexplosion zwischen süß und frech, und der Mozzarella machte genau das, was Mozzarella tun soll: er war unschuldig, fluffig und völlig unbeteiligt an späteren Zeitproblemen. Ein perfekter Auftakt, der uns alle glauben ließ, wir hätten die Kontrolle über den Abend.
Die Suppe, die nach Weihnachten roch
Die Möhren‑Lebkuchen‑Suppe war ein mutiger Schritt in Richtung kulinarischer Nostalgie. Möhren trafen auf Lebkuchen, und plötzlich war der Teller ein Adventskalender für Erwachsene. Wärmend, überraschend und so aromatisch, dass selbst der kritischste Gast zweimal nachschöpfte. Bis hierhin: alles im Plan.
Hauptgang mit Wild und Ambitionen
Das Kartoffel Pavé war eine Schichtarbeit der Liebe: knusprig, buttrig, akkurat. Das Hirschgulasch dazu war tief, würzig und so zart, dass man es mit einem Blick hätte essen können — wenn man denn Augen zum Kauen hätte. Der Hauptgang war der Moment, in dem wir uns alle kurz auf die Schulter klopften und dachten: „Heute läuft’s.“
Der große Fall der Karamell‑Schokoladen‑Tarte
Und dann kam die Tarte. Die Tarte, die nicht fest werden wollte. Man könnte sagen, sie war emotional noch nicht bereit für die Form. Man könnte auch sagen, wir waren zu optimistisch mit dem Zeitplan. Fakt ist: statt einer eleganten, schnittfesten Tarte hatten wir eine köstliche, aber rebellische Schokoladen‑Karamell‑Suppe in Tarteform. Geschmacklich ein Volltreffer; strukturell ein Freestyle‑Kunstwerk. Die Tarte-Stücke wurden dankbarerweise am nächsten Tag ausgeliefert ud sorgten (gefühlt) für Diabetes-Typ II.
Ursache: schlechtes Zeitmanagement.
Symptome: zu frühes Servieren, zu viel Vertrauen in die Kühlzeit, zu wenig Geduld.
Therapie: nächstes Mal früher anfangen oder eine Schüssel Löffel bereithalten.
Fazit und Lehre für den 69. Kochabend
Was gut lief: Vorspeise, Suppe und Hauptgang waren ein Triumph; die Gäste waren satt, glücklich und beeindruckt.
Was schief lief: Dessert hat uns gezeigt, dass Karamell und Ungeduld keine Freunde sind.
Lektion: Plane mehr Zeit ein, respektiere die Kühlzeiten und nenne die Tarte beim nächsten Mal einfach „flüssige Versuchung“ — dann klingt das wie Absicht.
Zum Schluss ein Toast auf den 68. Kochabend: auf die Aromen, die Geschichten und auf die Tarte, die uns daran erinnerte, dass Kochen nicht nur Technik ist, sondern auch Demut — und manchmal ein Löffel, der das Dessert rettet.
